Start des BMFTR-geförderten Verbundprojekts „PETRA“
- News
- Fakultät

Obwohl die Wechseljahre – auch als Perimenopause bekannt – das Wohlbefinden und die Leistungsfähigkeit von Frauen teils erheblich einschränken, erfolgt eine medizinische Aufklärung und Begleitung bislang oft unzureichend. Im Rahmen des Verbundprojekts „PETRA: AI-gestützte, edukative Therapiebegleitung für die Perimenopause“ entwickelt die Sozialforschungsstelle gemeinsam mit den vier Partnern Fraunhofer-Institut für Experimentelles Software Engineering IESE, der Juniorprofessur für Gesundheit und E-Health der Ruhr-Universität Bochum, der Aufklärungsplattform für Frauengesundheit FEMNA sowie dem Berlin Institute of Health der Charité Berlin nun eine KI-gestützte App, die betroffenen Frauen eine personalisierte Aufklärung bietet und so zur Verbesserung der Symptomatik beiträgt. Gefördert wird das Vorhaben für geschlechtergerechte Medizin vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt mit rund zwei Millionen Euro über eine Projektlaufzeit von drei Jahren.
Beschwerden wie Hitzewallungen, Schlafstörungen, Blutungsstörungen und Konzentrationsprobleme erschweren vielen Frauen in den Wechseljahren den Arbeitsalltag, vermindern ihre Lebensqualität und beeinflussen die Langzeitgesundheit. Jede zehnte Frau gibt ihren Job auf, viele reduzieren ihre Arbeitszeit oder wechseln früher in den Ruhestand. Gesellschaftlich ist das Thema nach wie vor tabuisiert, das Bewusstsein über Behandlungsmöglichkeiten wenig ausgeprägt.
Gesundheits-App begleitet, informiert und unterstützt Betroffene
Neben einer Literaturanalyse werden zunächst Co-Creation-Workshops mit Betroffenen sowie problemzentrierte Interviews mit Gynäkolog:innen zur Bedarfsermittlung durchgeführt. Darauf aufbauend wird eine App mit Daten- und Wissensplattform sowie einem eigenen KI-Chatbot entwickelt. Auf dieser Grundlage erhält jede Nutzerin individuell zusammengestellte Wissensbausteine sowie Empfehlungen zum Umgang mit ihren Symptomen und zur Linderung selbiger.
Während einer Pilotphase werden im Anschluss die Akzeptanz und Nutzungsfreundlichkeit der App evaluiert. Das Feedback von Nutzerinnen fließt kontinuierlich in die Weiterentwicklung ein. So wird sichergestellt, dass die Inhalte für die Anwenderinnen verständlich aufbereitet und praktisch umsetzbar sind. Auch der Zugang zu Informationen wird auf diese Weise entscheidend verbessert. „Unser Ziel ist, dass Frauen ihre Gesundheitskompetenz rund um die Perimenopause mithilfe der App ideal stärken können“, erklärt Dr. Theresa Ahrens, Leiterin der Abteilung Digital Health Engineering vom Fraunhofer IESE und Koordinatorin des Gesamtvorhabens.
Mit der App möchte das Konsortium besonders Frauen ansprechen, die über eher geringe medizinische Kenntnisse verfügen oder sich in einem sozialen Umfeld bewegen, das bisher geringes Interesse an Frauengesundheit zeigt. Für diese Gruppen ist der Bedarf an Aufklärung besonders hoch und die individuelle Lebensqualität kann durch die App-Begleitung stark verbessert werden.
Ganzheitliche Verbesserung von Frauengesundheit
Die in der App gesammelten Daten sollen – das Einverständnis der Nutzerinnen vorausgesetzt – zusätzlich anonymisiert für wissenschaftliche Studien aufbereitet werden, da viele Aspekte der Perimenopause bislang nur unzureichend erforscht sind. Damit ermöglicht PETRA nicht nur die individuelle Steigerung der Lebensqualität, sondern schließt auch eine Lücke in der geschlechtsspezifischen Forschung und verbessert die medizinische Versorgung von Frauen nachhaltig.
Die Sozialforschungsstelle übernimmt zusammen mit der Ruhr-Universität Bochum die sozialwissenschaftliche Begleitung des Projektes PETRA und ist gemeinsam mit FEMNA wesentlich für die Aufbereitung der Appinhalte verantwortlich. Das Fraunhofer IESE hat die technische Entwicklung der App sowie der KI-Modelle inne, während das Berlin Institute of Health in der Charité seine Erfahrungen mit dem interoperablen Datenstandard FHIR und der Erfassung von Forschungsdaten einbringt.
Das Teilprojekt der Sozialforschungsstelle wird von der sfs-Wissenschaftlerin Christine Best geleitet und zusammen mit Dr. Lisa-Marian Schmidt, sfs-Wissenschaftlerin und Koordinatorin des Forschungsbereichs „Arbeit, Organisation, Geschlecht“, bearbeitet.
Mehr Infos finden Sie auf der Projektseite.



